Kristian Sotriffer

Ausgerüstet mit Hör- und Sehrohren, deren Fortsetzung die tätigen Hände, der die Kupferplatte ritzende und aufrauhende Griffel sind, bohrt und stochert der Künstler in jenen verstopften Ausflüssen, von denen die "Augen der Natur" getrübt wurden. Dort sitzen wir mit ihm in den Pfützen verblassender Erinnerungen - abgeschnitten von einem Aderngeflecht, von dem das Gedächtnis der Menschheit einmal aus den Tiefen heraus gespeist worden war. Mit dem Künstler suchen wir die Zugänge zu den alten Öffnungen, den "Quellen des Lebens, an denen Himmel und Erde hängt" (Goethe, Faust). Damit ihm und uns der "Quell des Sehens" nicht ausfließe, sucht sich Anton Christian dem Sprudelnden und Springenden, dem Fließenden und Fallenden alter Gedanken und Vorstellungen auzunähern, Bewegungen auf der Spur. Das Wasser bildet die Metapher, durch die das "Leben in den Staub" (Lessing) zum Bild wird. Im Staub versinkt der Quell, anderswo entspringt er wieder. Aus Brunnen, um die das Volk der Kelten seine Heiligtümer, seine Tempel errichtete. Um die Wasser des Heils.

So folgt der Künstler dem Kreislauf des Lebens. Sieht den Schoß als Quelle der mystischen Wasser, die sich vor dem Untergang stauen. Dort beginnt das Fließen zum Tod: "Die Natur kennt keinen Fortschritt, sie stirbt von Anfang an." Das Ausbrechen, sich Ausschüttende, teilt sich auf dem Weg ins Versinken in süße und bittere Ströme. Dem Guten und dem Bösen, der Freude, der Liebe - dem Tod werden Adern geschaffen: "Die Quellen sind versiegt, wo seine Freuden quollen" (Wieland, Oberon).

Und eingefügt in dieses Quellen und Versiegen zeigt sich das Verhüllte, das Geheimnisvolle, das Verschlungene, Verwachsene in einem Kreisen aus der Tiefe ins Tiefe, aus der die Nympha fontis ihr Gesicht hebt. Das Quellwunder, Moses und der Fels, Quell der Gnade, Christi Blut. Der Quell unseres Wissens, Quellboden des Numinosen.